SCHACHANEKDOTEN

Pech gehabt Sportberichterstattung Intelligenter Hund
Richard Wagner Verkanntes Genie? Klarer Kopf
Schachspieler als Beruf Liebe zum Schachspiel Einladung
Selbstbewusstein Sämisch in Zeitnot Der Klavierspieler
Überlegung Sämisch und das liebe Geld Die Zerstreutheit - Teil 4
Steinitz's Spielstil Wer gewinnt? Zeitüberschreitung
"So ein kurzer Zug"! Das Schachwunderkind Das Opfer
Der Gewinnplan Vom Rauchen bedroht Fußball und Schach
Paris bei Nacht Der alte Bekannte Schachfans bevorzugt
Zigarren des Weltmeisters Aljechin an der Himmelspforte Schach-WM 1993
Zweispringerspiel Der verschwundene Turm Grausamkeit?
Die Remistellung 0-0 Die Wahl
Aufgabe mal anders Um keine Ausrede verlegen Im Vorübergehen
Capablancas Verlustpartie Sämisch und die Zeit Trick gemacht
Schach und Spiritismus Der Schlaf des Gerechten Beruf und Hobby
Salve! Die Zerstreutheit - Teil 2 Unfair!
Eben deswegen Vergeistigt Schach-Musik
Eingestellt Remis? Fesselung
Hohe Selbsteinschätzung Sprüche von Bobby Fischer Kiebitze
Feste Sache Achte auf deine Dame! Blindschach
Die Zerstreutheit - Teil 1 Die Zerstreutheit - Teil 3 Matt in zwei Zügen
Zu jung Wie doch die Zeit vergeht ... Der kreative Vorsitzende
Wie groß ist "klein"? Fischer und seine Mitmenschen  
Bogoljubow Sprüche von Bobby Fischer - 2  

Pech gehabt

Der in Prag geborene Weltmeister
Wilhelm Steinitz (1836-1900) spielte um seine finanzielle Lage zu verbessern regelmäßig in London in einem Kaffeehaus Schach-Schnellpartien um Geld. Die Beträge waren höher wie damals in Wien, oft handelte es sich um ein englisches Pfund. Ein englischer Geschäftsmann, der sehr schwach spielte und ständig verlor, war einer seiner Dauerkunden. Daher überlegte sich einer von Steinitz's Freunden, nachdem sich dieser Spielverlauf wochenlang wiederholte, ob es nicht ratsamer wäre, den wohlhabenden Spielpartner auch einmal gewinnen zu lassen, bevor dieser das Interesse am Schachspielen mit dem Weltmeister verliere und damit auch seinen besten Kunden. Da Steinitz diese Überlegung für sinnvoll hielt, beschloss er die nächste Partie zu verlieren. Er stellte in diesem Spiel seine ungedeckte Dame dem Gegner entgegen. Nach sechs weiteren Zügen bemerkte er es und schlug die Dame. Daraufhin gab Steinitz auf und schob die Schachfiguren zusammen und fing an, sie für das nächste Spiel aufzustellen. Der Gegner wollte davon allerdings nichts mehr wissen und schrie: "Ich habe den Weltmeister besiegt! Ich habe den Weltmeister besiegt", und rannte aus dem Kaffeehaus und ist dort nie mehr wieder aufgetaucht.

Richard Wagner

Wilhelm Steinitz war ein absoluter Verehrer des Komponisten Richard Wagner. Eines Tages spielte Steinitz im Wiener Schachclub einige Partien mit einem Unbekannten.
Als sich dieser zu später Stunde mit der Bemerkung, er reise am nächsten Morgen nach Bayreuth, um dort als Cellist im Festspielorchester mitzuwirken, verabschiedete, rief Steinitz: "Dann sehen Sie ja Richard Wagner. Richten Sie den Meister bitte aus, dass ich, der Weltschachchampion, ihn höher schätze als Mozart und Beethoven - ja, dass ich seine Musik als den Gipfel der Kunst ansehe!" Wie es der Zufall wollte, trafen sich die beiden Herren einige Wochen später erneut im Schachclub.
"Haben Sie Wagner meine Worte übermittelt?" erkundigte sich Steinitz umgehend. Der Cellist gab nickend zurück: "Ja, und Wagner meinte zu mir: "Ihr Steinitz versteht von Musik wahrscheinlich soviel wie vom Schach!"

Schachspieler als Beruf

Während einer Zugfahrt nach London kam der Weltmeister
Steinitz mit einem - wohlhabend aussehenden - Geschäftsmann ins Gespräch.
Im Laufe der Unterhaltung wurde Steinitz gefragt, welchen Beruf er denn ausübe. "Ich bin Schachspieler, mein Herr!", lautete seine Antwort.
"Gut, aber ich wollte gern wissen, was Ihr Beruf ist", entgegnete der Geschäftsmann.
Daraufhin Steinitz: "Ich spaße nicht - Schachspieler ist wirklich mein Beruf." Der Gentleman, der von seiner achtjährigen Tochter begleitet wurde, schaute äußerst ungläubig.
Doch plötzlich mischte sich die Tochter, in das Gespräch ein: "Spielen Sie immer noch Schach?"
Steinitz lächelte und meinte: "Freilich - und warum auch nicht?"
"Ich habe mit den Figuren gespielt", entgegnete daraufhin die Achtjährige, "als ich noch ganz klein war - aber jetzt spiele ich schon lange nicht mehr damit."

Selbstbewusstsein

Während eines Wettkampfes wurde
Steinitz einmal gefragt, wie er denn seine Chance sehe, dieses Turnier zu gewinnen.
Gesagt haben soll er: "Ich habe die besten Aussichten, den ersten Preis zu gewinnen - den jeder muss gegen Steinitz spielen, nur ich nicht!"

Überlegung

In einer Partie kam
Steinitz's Gegner nach dem ersten Zug 1.e4 e5 ins Grübeln ... und Grübeln ... und Grübeln ... "Na", munterte ihn der Weltmeister auf, "Sie überlegen wohl, ob Sie sich gegen mich ein Königsgambit erlauben können!" "Nein, ich überlege, wie diese verdammten Springer noch mal ziehen!"

Steinitz's Spielstil

Nicht bei allen Zeitgenossen von
Wilhelm Steinitz stieß sein Spielstil auf Verständnis. Es wurde viel darüber geredet. Sein Widersacher Henry Edward Bird (1830-1908) versuchte einmal den Erfolg des ersten Schachweltmeisters zu erklären: "Geben Sie den Inhalt einer Schachtel mit Schachfiguren in einen Hut, schütteln Sie kräftig und gießen Sie das Ganze aus einem halben Meter Höhe auf das Schachbrett. Dann haben Sie den Stil von Steinitz."

So ein kurzer Zug!

Wilfried Paulsen (1828-1901), der Bruder des berühmten Schachmeisters Louis Paulsen war von Beruf Landwirt und ein bekannter Kartoffelzüchter. Doch auch vom königlichen Spiel verstand er so einiges und stand seinem Bruder im Können wohl nur um weniges nach. Beim Turnier in Aachen 1868 spielte er auch gegen Dr. Johannes Hermann Zukertort. In der Art eines bedächtigen Landmannes überlegte er in Ruhe seine Züge, während sich der temperamentvolle Gegner unters Publikum mischte und angeregt mit einer reizenden jungen Dame unterhielt. Paulsen aber saß regungslos, wie aus Stein gemeißelt am Brett. Endlich, nach 70 Minuten, "erwachte" er und führte zögernd den Zug Dd1-e2 aus. Worauf besagte Dame spontan rief: "Mein Gott ist das ein närrisches Spiel! Erst überlegen Sie wer weiß wie lange, dann machen Sie so einen kurzen Zug."

Der Gewinnplan

Der Deutsche in Bresslau geborene
Dr. Siegbert Tarrasch (1862-1934) lehnte Sekundanten ab. Als man ihm nach einer schwierigen Hängepartie zum Sieg gratulieren wollte, bekannte er freimütig: "Ich habe nur durch fremde Hilfe gewonnen. Als ich über der Partie brütete, schrie nebenan im Hotelzimmer ein Baby ständig "Aaaa!" Ich folgte dem Rat und entdeckte den Gewinn auf der A-Linie.

Paris bei Nacht

Weltmeister
Dr. Emanuel Lasker verbrauchte am Schachbrett offenbar so viel Konzentrationskraft, dass ihm außerhalb seiner Profession zuweilen erstaunliche Fehler unterliefen. Als er einmal von London nach Paris gekommen war, stellte er sein Gepäck im Hotel ab und begab sich sofort in das berühmte "Cafe' de la Regence" (wie es sich für einen Schachspieler gehörte, wenn er in Paris war!). Gegen Abend, als es an der Zeit war, wieder zu gehen, konnte er sich allerdings nicht mehr an die Adresse seines Hotels erinnern. Da konnte nur ein Blitztelegram an seinen Freund nach London helfen, um die Hoteladresse in Erfahrung zu bringen. Jedoch vergaß der zerstreute Doktor diesmal, die Adresse des Pariser Postamtes anzugeben. So wartete er und wartete, schlenderte in Erwartung einer Rückantwort viele Stunden durch die nächtlichen Strassen von Paris, bis er gegen Morgen zufällig an sein Hotel gelangte. Hier erwartete ihn ein Telegramm: "Dr. Lasker. Paris. Rue de Latour 12. Du wohnst in Paris, Rue de Latour 12".

Die Zigarren des Weltmeisters

Die ersten Weltmeister der Schachgeschichte,
Wilhelm Steinitz und Emanuel Lasker, waren als passionierte Zigarrenraucher wiederholt in kleine Geschichten ob dieses Genusses verwickelt. Während ihres Weltmeisterschaftskampfes im Jahre 1894 hatte Lasker von einem ihn verehrenden Anhänger ein Kistchen feinster Zigarren geschenkt bekommen. Nachdem Lasker das Match siegreich beendet hatte, gratulierte ihm dieser Fan und brachte sich gleichzeitig in Erinnerung, indem er den neuen Weltmeister fragte, ob ihm die besagten Zigarren auch ein wenig geholfen hätten, den Kampf zu gewinnen. "Selbstverständlich haben sie dazu beigetragen", antwortete Lasker, "Sie hatten eine wirklich prachtvolle Idee." "So gut sind sie also gewesen?" ließ der Fan nicht locker. Das weiß ich nicht", präzisierte der Weltmeister, "ich habe sie nach und nach Steinitz angeboten. Ich selbst habe andere geraucht."

Zweispringerspiel

Der in Berlinchen (heute: Barlinek, Polen) geborene
Dr. Emauel Lasker (24.12.1868-13.01.1941) hielt im Frühjahr 1895 eine Vorlesung in London über das Schachspiel. Er wurde einmal von einem junge Zuhörer gebeten, ihm doch ein paar Ratschläge zum Zweispringerspiel zu geben. Lasker zeigte ihm schnell ein paar aktuelle Varianten. Sein Partner hörte ihm geduldig zu. Als Lasker zum Schluss gekommen war und ihn fragte, ob er sich jetzt nun einigermaßen mit dem Zweispringerspiel im Nachzuge auskenne, schüttelt der andere betrübt den Kopf und erwiderte: "Sie meinen ein ganz anderes Zweispringerspiel als ich. Meister Blackburne spielt hin und wieder gegen mich. Dabei gibt er mir seine beiden Springer vor, und ich komme einfach nicht an, gegen seine verflixte Eröffnung!"

Die Remisstellung

Über Louis Paulsen, einen bekanntermaßen langsamen Spieler, berichtete George MacDonnell in der Deutschen Schachzeitung 1895 folgendes: In klarer Remisstellung brütete Paulsen über dem Brett, ohne einen Zug zu machen. Seine Bedenkzeit lief dabei ab. Sein Gegner, der das bemerkte, fragte Paulsen, worüber er denn nachdächte, die Partie sei doch Remis. Paulsen antwortete: " Worüber ich nachdenke? Wenn wir das Spiel jetzt remis geben, dann habe ich in der nächsten Partie Weiß. Und ich überlege nun, welche Eröffnung ich wählen soll." Paulsen verlor durch Zeitüberschreitung.

Aufgabe mal anders

Der Berliner Meister Curt von Bardeleben (1861-1924) war ein hochsensibler, allerdings auf seine Umgebung oft skurril wirkender Mensch. Als er beim Schachkongress in Hastings 1895 nach vorzüglichem Start und wohlberechtigten Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden gegen
Steinitz in einen Mattangriff geriet, gab der die Partie nicht etwa auf, sondern verschwand einfach aus dem Turniersaal und tauchte nicht mehr auf. Diese Form der Kapitulation wiederholte der später häufig, so dass man ein damals geflügeltes Wort mit seinem Namen verknüpfte: "Liegt eine Partie aber ganz darnieder, dann geh' mal raus und komm nicht wieder". Eine verfeinerte Form dieser Gepflogenheit wandte er beim Münchener Turnier 1900 an. Als er gegen den Österreicher Karl Schlechter in einer Partie auf Verlust stand, machte er sich wieder aus dem Staub, aber diesmal nicht sang und klanglos, sondern er schickte einen Dienstmann, der seinem Kontrahenten die Aufgabe der Partie übermittelte.

Capablancas Verlustpartien

José Capablanca, die Schachmaschine, hat in seiner gesamten Schachlaufbahn nur wenige Partien verloren. Eugéne Sonosko-Borowsky kam erster auf die Idee, alle bekannten Verlustpartien Capablancas als Buch zu veröffentlichen. Darauf konterte Capablanca, er plane ein Buch mit guten Partien von Sonosko-Borowsky herauszubringen, werde aber höchstwahrscheinlich dieses Vorhaben nicht zu Ende bringen können, da er mangels Masse bisher nicht über die Einleitung hinausgekommen sei.

Schach und Spiritismus

Der Tscheche Oldrich Duras geriet während eines Turniers in eine spiritistische Sitzung. Duras interessierte nur eine Sache, deshalb fragte er auch gleich das Medium, wer das Schachturnier gewinnen werde. Nach einer Weile konnte die Botschaft aus dem Jenseits entziffert werden, doch dann stand fest, dass der österreichische Großmeister Rudolf Spielmann (1884-1942) der Sieger sein würde. Das überraschte die Anwesenden nicht, führte der ausgezeichnete Angriffsspieler Spielmann doch klar mit 10 Punkten aus 11 Partien. Als dann die Frage nach dem zweiten gestellt wurde, und die Antwort des Geistes Duras lautete, wurden Zweifel am Okkultismus allgemein und an der Qualifikation des Mediums im besonderen laut. Duras lag weit abgeschlagen im hinteren Drittel der Tabelle. Am darauf folgenden Tag besiegte Duras den Spitzenreiter Spielmann und gewann auch gegen sieben weitere Gegner, was ihm den zweiten Platz einbrachte. "Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde für die es keine Erklärung gibt." meinte mit selbstzufriedenem Lächeln eine Dame aus dem spiritistischen Zirkel. "Doch", entgegnete Duras trocken, "die Erklärung ist, dass das Medium außer mir und Spielmann keinen weiteren Spieler mit Namen kannte."

Salve!

Im Jahre 1906 nahm der starke polnische Meister G. S. Salwe an dem berühmten Turnier von Ostende teil. Auf der zum Spiellokal des Hotels führenden Steintreppe stand mit farbigen Intarsien in Latein "Salve!" (Sei gegrüßt!) Der Maestro verstand jedoch kein Latein und nahm an, dass ihm zu Ehren die Inschrift gemacht worden sei. Den erstaunten Hotelbesitzer ließ er wissen, dass er seinen Namen lieber ohne Fehler geschrieben sähe!

Eben deswegen

Der Weltmeister
Dr. Aljechin betrat auf einem Spaziergang in Paris ein kleines Café um eine Erfrischung einzunehmen. Im selben Raum wurde auch Schach gespielt. Aljechin sah manchmal hinüber und wurde schließlich von einem Herrn aufgefordert, mit ihm eine Partie zu spielen. Aljechin nahm an und die Gegner setzten sich an einem Schachtisch nieder und stellten die Figuren auf.
"Ich gebe Ihnen einen Turm vor", meinte Aljechin.
"Aber wieso denn?", entgegnete leicht entrüstet sein Partner, "Sie kennen mich doch überhaupt nicht!"
"Eben deswegen!", war die Antwort Aljechins.

Eingestellt

Der promovierte Jurist von Beruf, Savielly Xavier Tartakower (1887-1956), Schachmeister aus Berufung, gab damals in Wien eine Simultanvorstellung. Da geschah es, dass er einen einfachen Figurenverlust übersah. Als er das Malheur sah, trat ein Kellner heran und servierte seinem Kontrahent einen Kaffee, den der geistesabwesende Großmeister Tartakower im Handumdrehen austrank. Sein Gegner ärgerte sich so sehr darüber, dass er seinerseits einen Offizier einbüsste. Er erklärte, als er zum Verlauf dieser Partie befragt wurde: "Zuerst stellte ich eine Figur ein, dann mein Gegner einen Kaffee, und dieses Handicap war für ihn zu groß!"

Verlierer mit hoher Selbsteinschätzung

1908 spielten der süddeutsche Meister Köhnlein gegen den Kaffeehausspieler Burletzki einen Wettkampf auf sechs Gewinnpartien. Letzterer ging mit viel Selbstvertrauen und Ichgefühl in den Kampf, aber die erste Partie gewann Köhnlein. Burletzki: "Ich habe einen dummen Fehler gemacht."
Die zweite Partie gewann auch Köhnlein.
Burletzki: "Alle Partien kann man nicht gewinnen."
Die dritte Partie gewann ebenfalls Köhnlein.
Burletzki: "Ich bin heute nicht in guter Form."
Die vierte Partie gewann wieder Köhnlein.
Burletzki: "Er spielt nicht schlecht."
Die fünfte Partie gewann Köhnlein.
Burletzki: "Ich habe ihn unterschätzt."
Die sechste Partie gewann Köhnlein.
Burletzki: "Ich glaube, er ist mir ebenbürtig."

Feste Sache

Der starke Bremer Carl Carls (1880-1958) eröffnete mit den weißen Figuren immer mit 1. c4. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Daher wurde in Deutschland die Eröffnung mit 1. c4 auch lange Zeit als Bremer Eröffnung betitelt. Eines Tages setzte er sich zu einem Mannschaftskampf ans Brett, griff mit Schwung nach dem C-Bauer und mit einem Ruck flog die Spielplane in die Luft und die darauf befindlichen Figuren quer durch den Raum, mit Ausnahme des C-Bauern. Seine Mannschaftskollegen hatten in der Nacht zuvor diesen am Brett von Carls mit starken Klebstoff festgeklebt.

Ebenfall zur Legende geworden ist die Zerstreutheit der Schachspieler

In einer Partie Ahues-Prezepiorka kam es zu einem Schlagabtausch, in dem der Tscheche im Eifer des Gefechts seinen eigenen Turm schlug. Der schlagfertige Berliner spielte ungerührt weiter. Nach Beendigung des Schlagabtausches rief der Tscheche erschreckt aus: "Was ist los? Ich habe keine Figur mehr!".

Zu jung

Der 72-jährige James Harry Blackburne spielte beim internationalen Turnier 1914 in Petersburg gegen den in Ungarn lebenden "erst" 60-jährigen Isidor Gunsberg. Blackburne sagte darauf scherzhaft zu seinem Partner: "Sie sind noch zu jung um mit mir zu spielen."

Wie groß ist "klein"?

Der fünfte Schachweltmeister
Prof. Dr. Machgielis (Max) Euwe (1901-1981) war lange Zeit in Holland ein Nationalheld. Anderwärts muss er wohl auch ziemlich populär gewesen sein. Er war ein stattlicher Mann von einer Größe von fast zwei Metern. Sein Schachkollege und Landsmann Wülem Mühring überragte ihn allerdings noch um einen halben Kopf. In den sechziger Jahren besuchten die beiden Moskau. Als sie über die belebte Uliza Gorkowo schlenderten, hörten sie folgendes Gespräch: "Siehst du die beiden vor uns? Das sind zwei holländische Schachmeister. Der Kleine ist Euwe."

Bogoljubow

Als der erfolgreiche tschechische Richard Reti (1889-1929) 1920 in Göteborg ein stark besetztes Turnier gewonnen hatte, klopfte ihm
Bogoljubow kameradschaftlich auf die Schulter und meinte: "Trotzdem wirst du niemals Weltmeister, du bist dafür viel zu dick!" "Aber du bist ja selbst viel dicker als ich", entgegnete Reti erstaunt. "Ja, aber ich bin Bogoljubow", kam es bescheiden zurück.

Sportberichtserstattung

In den zwanziger Jahren nahm der Hamburger Meisterspieler Paul Krüger (1871-1939) an einem kleinen Lokalturnier teil und wurde vom Reporter des Kreisblattes interviewt. Es stellte sich heraus, dass der Mann von der schreibenden Zunft keine Ahnung hatte von Schach hatte. Krüger ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen ihn richtig zu veräppeln. Die Abonnenten des Blättchens konnten am nächsten Tag zu ihrem Erstaunen folgendes lesen: "Die spannendste Partie der gestrigen Runde wurde zwischen dem Hamburger Meister Krüger und unserem Spitzenspieler M. ausgetragen. M. eröffnete als Anziehender diesmal mit dem schwarzen Steinen. Der Gast parierte mit der gefürchteten Königstigervariante des Damenspiels, und es gelang ihm, den König frühzeitig ins Spiel zu bringen. In einer Serie kraftvoller Züge griff der weiße König die schwarze Dame an, jagte sie über das Schachbrett und lockte sie schließlich in eine tödliche Falle!"

Verkanntes Genie?

Mit dem recht mittelmäßigen, einfältigen Spieler Malcolm Mally, der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts jede freie Minute an den Brettern des Mannhatten-Schachclubs von New York verbrachte, trieben seine spielstarken Kollegen folgenden Scherz: Sie hatten beschlossen ein Turnier zu veranstalten, Mally einzuladen und gegen ihn sämtliche Partien zu verlieren. Dieser hielt seinen Erfolg für bare Münze und geriet aus dem Häuschen. Danach nahm man den Naiven noch zweimal auf die gleiche Weise "auf die Schippe". Sein dritter Turniersieg versetzte ihn in derartige Begeisterung, dass er Herausforderungen an den amtierenden Weltmeister
Dr. Alexander Aljechin, den dritten Weltmeister (1921-1927) José Raoul Capablanca y Graupera (1888-1942) und Dr. Emanuel Lasker richtete. Mally bekam daraufhin keine Antwort und zog sich mit der Begründung vom Schach zurück, dass er keine würdigen Gegner mehr finde.

Liebe zum Schachspiel

Bogoljubow und Tartakower sollten einmal in einem Gästebuch ihre Liebe zum Schachspiel begründen. Bogoljubow schrieb: "Ich liebe das Schachspiel, weil es so logisch ist." Tartakower las dies und konnte natürlich der Verlockung nicht widerstehen: "Ich liebe das Schachspiel, weil es so unlogisch ist."

Sämisch in Zeitnot

Der respektable Großmeister Fritz Sämisch (1896-1975), der fast in jeder Turnierpartie in Zeitnot geriet, sollte in einer norddeutschen Kleinstadt eine Simultanveranstaltung geben. Als er mit Verspätung im Spielsaal eintraf, war seine Kleidung ziemlich derangiert und sein Gesicht wies frische Hautabschürfungen auf. "Um Gottes Willen, was ist denn passiert?", wurde er von seinen Schachfreunden gefragt, die ihn sofort umringten. "Ach" meinte Sämisch, "ich war etwas spät dran und lief in Eile über die Straße, da hat mich ein Motorradfahrer erwischt". Da kam eine vorwitzige Stimme aus der Runde: "Also wieder die leidige Zeitnot."

Sämisch und das liebe Geld

Sämisch, ein Lebenskünstler ohnegleichen, da er mit nichts seinen Lebensunterhalt zu bestreiten wusste (oder musste), hatte nach dem Krieg ein bescheidenes Auskommen als Schachprofi, indem er Partien in einem Mannschaftswettbewerb gegen Geld bestritt. Er wurde sofort pro Zug bezahlt, d. h. nach jedem seiner Züge bekam er eine Mark. Der Mannschaftsführer saß neben ihm und legte tatsächlich nach jedem von Sämisch gemachten Zug eine Münze auf den Tisch. Allerdings ging dem Zahlmeister das Münzgeld aus. Und Sämisch zog nicht mehr. Eiligst konnte ein Schein gewechselt, der letzte Zug abgeholt werden. Nachdem nun eine Mark mehr auf dem Stapel lag, erwachte der Meister und spielte seinen nächsten Zug.

Wer gewinnt?

Bei einem englischen Turnier geriet der damalige Weltmeister
Aljechin durch ein zu riskantes Spiel gegen seinen Gegner in eine äußerst fatale Lage.
Aljechin gelang es dennoch mit viel Glück, sich bis zum Abbruch zu retten.
Voller Stolz zeigte sein Gegner dann in der Mittagspause die Abbruchstellung einem Dr. Tartakower und fragte diesem dann nach einigen Erläuterungen: "Nun, was denken Sie, wer gewinnt die Partie?"
Darauf Dr. Tartakower trocken: "Aljechin." "Aber wieso denn? Ich habe doch die viel bessere Stellung!", rief Aljechins Gegner erstaunt.
Dr. Tartakower antwortete: "Ja, aber Sie haben mich ja nicht gefragt, wer die bessere Stellung hat, sondern wer die Partie gewinnt" und verschwand daraufhin. Tatsächlich konnte Aljechin die Partie letztendlich für sich entscheiden.

Das Schachwunderkind

Der Amerikaner, am 26.11.1911 in Ozorków (Polen) geboren und am 04.04.1992 in Spring Valley (USA) gestorben,
Samuel Reschewski, war das berühmteste Schachwunderkind. Bereits als Sechsjähriger spielte er gegen die Mitglieder des Wiener Schachclubs simultan. Sein erstes internationales Meisterturnier bestritt er mit elf Jahren 1922 in New York, wo er auf gestandene Meister wie der deutsche Dr. Emanuel Lasker, Ossip Bernstein und David Janowski traf. Besonders Janowski hatte Schwierigkeiten den Jungen ernst zu nehmen. "Das Jüngelchen versteht vom Schach nicht mehr als ich vom Seiltanzen", raunte er nach zwölf Zügen zu Lasker. "Schauen Sie auf seine Position. Bald hat er keine Züge mehr. Völlige Paralyse." Doch der kleine Samuel zeigte sich unbeeindruckt und verteidigte sich hartnäckig. Nach 40 Zügen hatte Janowski seine überlegene Stellung immer noch nicht gewonnen. Die Partie wurde abgebrochen und in der Pause korrigierte Janowski sein vorheriges Urteil: "Sie hatten recht. Der Junge ist ein Wunder. Ich fühle, dass ich verlieren werde." So kam es, dass der Junge aufsprang und seinem Vater um den Hals fiel: "Ich habe den großen Meister besiegt."

Vom Rauchen bedroht

Großmeister Aaron Nimzowitsch (1886-1935) hatte eine empfindsame und explosive Natur. Er war in Meisterkreisen bekannt, dass er als Nichtraucher besonders anfällig dafür war, wenn ihn ein Gegner mit Zigarrenqualm einzunebeln versuchte. 1927 beim Kandidatenturnier in New York hatte Nimzowitsch seinen Kontrahenten Dr. Vidmar vor ihrer Partie gebeten nicht zu rauchen. Der jugoslawische Großmeister war einverstanden, allerdings nur mit der Einschränkung, dass er eine Zigarre rauchen darf, wenn er eine sehr schlechte Stellung auf dem hat. Die Partie verlief nikotinfrei und Vidmar gewann. Verärgert beschwerte sich Nimzowitsch beim ungarischen Turnierleiter Geza Maroczy über das verdammte Rauchen. Maroczy erwiderte nur erstaunt:
"Aber ihr Gegner hat doch gar nicht geraucht."
"So, nicht geraucht sagen Sie? Schlimmer als das. Er hat mich mit Rauchen bedroht. Ständig lag die Zigarre neben dem Schachbrett, so dass ich mir sagte, machst du jetzt einen starken Zug, greift er zur Zigarre. Wie kann ich dabei die Partie gewinnen? Und Sie als Turnierleiter wissen selbst, dass die Drohung stärker als die Ausführung ist."

Der alte Bekannte

Als
Alexander Aljechin nach seinem Wettkampfsieg über Capablanca in die Alte Welt zurückkehrte, sprach ihn im Salon des Überseedampfers ein älterer Herr an und gab sich als guter Bekannter aus dem St. Petersburg der Vorkriegsjahre zu erkennen. Die Freude über das Wiedersehen stand ihm deutlich im Gesicht, und lebhaft redete er auf Aljechin ein. Der frischgebackene Weltmeister reagierte verlegen: Er konnte sich nicht daran erinnern seinem Gegenüber jemals begegnet zu sein. Dieser zeigte sich untröstlich, nannte Stätten ihres Zusammenseins, die Namen gemeinsamer Bekannter, umsonst: Aljechin zuckte nach wie vor die Achseln. Der andere wurde immer hitziger: "Aber sie müssen sich doch jenes Neujahrsabends entsinnen, es war wohl 1910 oder 1911, als wir beide mutterseelenallein im Cafe 'NEWA' hockten? Ich ließ durch den Kellner ein Schachspiel und Figuren holen und brachte ihnen die Spielregeln bei! Apropos: Spielen sie überhaupt noch Schach?"

Aljechin an der Himmelspforte

Nach seinem Matchsieg gegen
Jefim Dmitrijewitsch Bogoljubow im Jahre 1929 gab Weltmeister Alexander Aljechin dem stets überoptimistischen Gegner auf dem Abschlussbankett eine kleine Lektion mit auf den Weg: "Mir träumte, ich sei gestorben. Ich komme zur Himmelspforte, wo mich der Heilige Petrus empfängt und fragt, was ich auf Erden gewesen sei. Wenn etwa ein Schachmaestro, so könne er mich nicht ins Himmelreich aufnehmen. Enttäuscht wollte ich mich bereits auf den Rückweg machen, als ich plötzlich noch hinter einer himmlischen Wolke Bogoljubow entdeckte, der gerade mit seinem Taschenschach etwas analysierte. Ich fragte Petrus, wieso Bogoljubow dann aber in den Himmel gekommen sei, wo er doch auch ein Schachmaestro auf Erden war. 'Nein, lieber Aljechin', antwortete mir der Himmelswächter, das denkt er nur."

Der verschwundene Turm

Der in Moskau geborene Russe
Dr. Alexander Alexandrowitsch Aljechin (31.10.1892-25.03.1946) gab 1930 eine Simultanvorstellung in der bosnischen Stadt Banja Luka. Unter seinen Kontrahenten befand sich ein ortsansässiger Lehrer, dessen Partie ständig von einigen seiner Schüler belagert wurde. Der vierte Schachweltmeister zog seine Kreise. Als er an das Brett des Lehrers trat, blickte er diesen zornig an und wischte die Figuren vom Brett. Der verdutzte Lehrer bat um eine Erklärung. Aljechin hatte sich bereits der nächsten Partie zugewandt und warf ihm über die Schulter zu: "Sie haben mir einen Turm gestohlen." Erst nach Ende der Veranstaltung stellte sich folgendes heraus: Einer der am Brett herumlümmelnden Schüler hatte heimlich einen weltmeisterlichen Turm stibitzt, weil er herausfinden wollte, ob der vielbeschäftigte Meister dies überhaupt bemerkte. Nach sechs Jahren trat Aljechin wieder zu einer Simultanvorstellung in Banja Luka an. Dort entdeckte er den Lehrer und meinte drohend: "Probieren Sie nicht mehr die Masche mit dem Turm!" und zog energisch 1. e4.

0-0

Beim legendären Turnier in Bled 1931, wo
Aljechin den glanzvollsten Sieg seiner Laufbahn errang, kam es zu einem peinlichen Zwischenfall. Die Partie Kostic-Kashdan war in ein kompliziertes Endspiel übergegangen, wo ein amerikanischer Turm einen jugoslawischen Springer am Brettrand festgenagelt hatte und zu erobern drohte. Für längere Zeit zog sich dann Kostic auf das stille Örtchen zurück. Plötzlich verbreitete sich die Nachricht, dass er dort überrascht worden sei und jemand gesehen habe, wie sich Kostic eines Taschenschachs bediente um die laufende Partie zu analysieren. Die Turnierleitung beschloss, dass sie keine drakonischen Maßnahmen einleiten wollen. Nach einer Verwarnung wurde die Partie weiter gespielt und endete am Schluss mit Remis. Ein paar Runden später kam es zu einem lustigen Nachspiel. Als Tartakower das nämliche Örtchen aufsuchen wollte, waren alle Lokalitäten besetzt. Er rüttelte an den Türen und rief aufgebracht: "Verflixt, überall Kostic!"

Um keine Ausrede verlegen

In einer Partie war der argentinische Großmeister Miguel Najdorf, der sich nicht nur auf dem Schachbrett als äußerst erfinderisch erwies, sondern auch in schwierigen Lebenssituationen durch unversiegbaren Humor, Optimismus und sprühenden Geist den Kopf oben behielt, in eine wenig erbauliche Stellung geraten. "Maestro, sie haben doch eine Figur verloren! Wie konnte das nur geschehen?" fragte ein enttäuschter Fan den Großmeister, als der zu einer kurzen Verschnaufpause von seinem Spieltisch aufgestanden war. "Ach, das ist weiter kein Unglück", erwiderte Najdorf, "wenn ich die Partie verliere, dann war es eben ein offensichtliches Versehen, sollte ich aber noch gewinnen, führe ich das auf eine weitberechnete Kombination zurück."

Sämisch und die Zeit

Bei einem Turnier spielte Tröger gegen Sämisch. Sämisch merkte nicht, dass er seine Bedenkzeit überschritt und brütete weiter über der Stellung. Tröger bat den Schiedsrichter "aus journalistischem Interesse", Sämisch nicht zu stören. Er wollte beobachten, wie lange es dauern würde, bis er seine Zeitüberschreitung bemerkte. Erst nach über 40 Minuten schaute Sämisch auf, blickte auf die Uhr und reichte dem Tröger die Hand zur Gratulation.

Der Schlaf des Gerechten

1949 fand in Bukarest in einem kleinen Theatersaal ein internationales statt. Auf der Bühne saßen die Schachmeister an ihren Tischen, im Hintergrund der Szene wurden die Partien auf großen Demonstrationsbrettern nachgezogen. Auf den ersten Preis hatten Pal Benkö und Ludek Pachmann die besten Aussichten. Der junge, damals noch für Ungarn spielende Meister war den heiteren Seiten des Lebens nicht minder zugeneigt. Wenn man bloß nicht am nächsten Tag Schach spielen müsste. Übernächtigt und bleich spielte der schwarzgelockte Ungar gegen den polnischen Meister Tarnowski. Viereinhalb Stunden schien alles gut zu laufen. Benkö konnte trotz allen Gefahren sich gut halten. Er hatte nur noch wenige Züge in genau zehn Minuten zu machen und stand dabei auf Gewinn.
Doch es sollte nicht sein. Benkö rührte keine Figur mehr an. Er hatte neben dem Schachbrett sein müdes Haupt gebettet und schlief. Umso wacher war sein Kontrahent. Er hielt zu recht schweigend mit blitzenden jeden fern, der sich dem Tisch nähern wollte. Nicht einmal der Schiedsrichter darf nach Vorschrift einen Spieler zum Ziehen oder Betätigen der Schachuhr auffordern. Das Turnier leitete als Schiedsrichter der Meister Löwenton, der seine Pflicht mit Eifer und Leidenschaft erledigte. Mit beschwörenden Gesten umkreiste er auf leisen Sohlen den Schachtisch, wo Benkö immer noch schlief, während die Uhr tickte und die Bedenkzeit sich dem Ende näherte. Als Löwenton behutsam, den Blick auf den schlafenden Benkö richtete, einige Schritte zurücktrat, geschah ein Wunder, das lähmendes Entsetzen auslöste. Löwenton verschwand, wie durch Zauberei, von der Bühne. Die Spieler und die Zuschauer hielten den Atem an. Plötzlich wurde eine Brille sichtbar, eine Hand hob sie in die Höhe, dann tauchte das erstaunte Gesicht des Schiedsrichters auf, der mit einiger Mühe aus dem Souffleurkasten kroch, in den er hineingefallen war. Selbst jetzt wachte Benkö nicht auf und verlor deshalb die Partie durch Zeitüberschreitung.

Ebenfalls zur Legende geworden ist die Zerstreutheit der Schachspieler

Ähnliches passierte in einer Partie Cholmow-Lutikow. Cholmow bedrohte einen Läufer seines Gegners und war völlig sicher, dass dieser ihn gegen einen Springer tauschen würde. Als sein Gegner ihn ganz gegen jede schachliche Vernunft wegzog, schlug Cholmow in einer Reflexhandlung seinen eigenen Springer. In beiden Fällen wurde der Irrtum nach Absprache mit der Turnierleitung revidiert.

Vergeistigt

Der Schwede Gösta Stoltz war den geistigen Getränken recht großzügig. Nun er war nie Weltmeister, aber er wurde durch seine Glanzpartie, die er 1952 in Stockholm spielte dennoch berühmt. Als ihm der Unterlegene die Hand zur Gratulation reichte, griff seine Hand freilich ins Leere. Trotz erheblicher Anstrengung gelang es Stoltz nicht, die Rechte in die gewünschte Richtung zu bringen. Die Zuschauer mögen es für Siegestaumel gehalten haben.

Remis?

In Zürich 1953 soll zwischen Miguel Najdorf und Boleslawski während ihrer Turnierpartie folgende Unterhaltung stattgefunden haben: Najdorf: "Remis?"
Boleslawski: "Nein!"
Najdorf (nach einigem Nachdenken): "Spielen Sie auf Gewinn?"
Boleslawski: "Nein!"
Najdorf (schnell): "Also doch Remis?"
Boleslawski: "Nein!"
Najdorf: "Spielen Sie auf Verlust?"
Boleslawski: "Nein!"
Najdorf: "Ja, was wollen Sie denn?"
Boleslawski: "Spielen!"

Sprüche von Bobby Fischer

"Computer sind einzigen Gegner, die nicht immer eine Ausrede auf Lager haben, wenn sie gegen mich verlieren."

"Wenn ich Weiß habe, gewinne ich, weil ich Weiß habe, wenn ich Schwarz habe, gewinne ich, weil ich Fischer bin!"

"Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich sehe, wie sich mein Gegner im Todeskampf windet."

"Ich rechne überhaupt nicht voraus. Ich gewinne auch so."

"Warum ich dieses Turnier gewinne? Weil ich der einzige bin, der nicht gegen Fischer spielen muss!"



Achte auf deine Dame!

In Großmeisterpartien ist der Verlust der Dame sehr selten, weil man für gewöhnlich mit dieser Figur auf dem Brett sehr sorgsam umgeht. Dennoch kommt auch das ab und an in der Welt des Schachs vor und macht dann als Kuriosität die Runde um den Globus. Im Kandidatenturnier 1956 hatte der sonst beinahe unfehlbare Armenier Tigran Wartanowitsch Petrosjan gegen seinen Landsmann David Bronstein die Dame stehen lassen. Für dieses überraschende "Geschenk" bedankte sich Bronstein beim Abschlussbankett auf seine unverwechselbar immer das Konventionelle meidende Art, indem er von einer Riesentorte, die den Teilnehmern überreicht wurde, seinen Anteil - eine weiße Dame - dem unglücklichen Petrosjan als Geschenk überreichte.

Ebenfalls zur Legende geworden ist die Zerstreutheit der Schachspieler

Ein kanadischer Meister gab bei der Schacholympiade in München 1958 eine Brille, die auf seinem Tisch lag, als Fundgegenstand ab, um kurz darauf festzustellen, dass es seine eigene war.

Im gleichen Turnier soll ein dänischer Meister seinen Kaffee gedankenversunken mit einem Läufer umgerührt haben.


Wie doch die Zeit vergeht ...

Von dem amerikanischen Großmeister George Koltanowski stammt diese Geschichte. Bei der US-Meisterschaft 1958 gewann James T. Sherwin in den ersten Runden alle Partien. Samuel Herman Reshewsky, der es ihm gleich tat, sagte zu ihm: "Nun muss ich Sie wohl stoppen." "Vielleicht stoppe ich Sie ja", gab dieser zur Antwort. Reshewsky: "Nicht in einer Million Jahren." Nachdem Sherwin die Partie gewonnen hatte, murmelte er beiläufig: "Wie doch die Zeit vergeht ..."

Fischer und seine Mitmenschen

Der in Chicago geborene Amerikaner
Robert James (Bobby) Fischer spielte auf der Schacholympiade 1962 in Varna gegen den in Dresden geborenen Wolfgang Uhlmann. In dieser Partie kam es nach 19 Zügen zum folgenden Dialog: Fischer: "Remis!?"
Uhlmann: "Aber es muss doch dreimal Zugwiederholung sein!"
Fischer: "Sie nehmen das Remis an, wie ich es sage, sonst spiele ich weiter und werde Sie dann Schlagen!"
Uhlmann nahm es nicht tragisch und akzeptierte das Remis.

Auf der gleichen Olympiade wandte sich ein Korrespondent der Zeitung "Naroden sport" an den amerikanischen Champion mit der Bitte um ein Interview.
Fischer: "Für 50 Leva können Sie mich fragen."
Reporter: "Danke, dieses Interview mit Ihnen ist schon ausreichend!"

Mit einem sehr nachdenklichen Gesicht geht Bobby durch den Turniersaal.
Lombardy: "Was ist passiert?"
Fischer: "Ich stehe schlecht"
Lombardy: "Dann biete doch einfach Remis an."
Fischer: "So schlecht stehe ich nun wieder nicht!"

Sprüche von Bobby Fischer

"Wie ich Weltmeister wurde" - Unter diesem Titel wollte
Fischer bereits 1963 ein Buch herausgeben. Er war felsenfest davon überzeugt, besser als der damals amtierende in Kuokala (heute Repino) bei Petersburg geborene, russische Weltmeister (1948 - 1957, 1958 - 1960, 1961 - 1963) Dr. Michail Moissejewitsch Botwinnik zu sein.

Intelligenter Hund

Der italienische Meister Stefano Tatai brachte gewöhnlich zu seinen Turnierpartien einen Hund mit, an dem er sehr hing, und der sich während der ganzen Partie zu Füßen seines Herrn niederzulegen pflegte. Am Ende einer Runde in einem römischen Café war Tatai am Tisch sitzen geblieben, um eine Stellung zu analysieren, und sein Hund hatte sich auf dem Stuhl vor ihm niedergelassen. Ein Gast näherte sich und erlaubte sich die geistreiche Bemerkung: "Sie wollen doch nicht behaupten, dass Ihr Hund Schachspielen kann?" Darauf Tatai gleichmütig: "Ach was, die letzten drei Partien hat er verloren!"

Klarer Kopf

Nachdem Tigran Petrosjan seinen Weltmeistertitel 1966 gegen den in Leningrad geborenen russischen Großmeister
Boris Wassiljewitsch Spasski verteidigt hatte, trank er bei der Siegesfeier einen Cognac. Als man ihm das leere Glas nachfüllen wollte, winkte er ab und ließ sich einen Obstsaft bringen. "Ich muss einen klaren Kopf behalten," erklärte er, "für den nächsten Titelkampf." Dieser fand 1969 statt.

Einladung

Monaco organisierte 1967 ein gewaltiges Meisterturnier bei dem die Veranstalter alles daran setzten, nur die besten Spieler zu bekommen.
Sie telegrafierten folgendes den USA-Verband: "Laden zwei Großmeister ein - einer davon Fischer!"
Was während des Turniers tatsächlich geschah, wurde der Öffentlichkeit verschwiegen.
Im Jahr darauf bekam der USA-Verband erneut ein Telegramm - diesmal lautete es:
"Lade zwei Großmeister ein - keiner davon Fischer!"

Der Klavierspieler

Ein bekannter Großmeister-Kollege traf
Fischer nach dem Match gegen Mark Taimanow in Vancouver 1971, das der Amerikaner sensationell mit 6:0 für sich entscheiden konnte. "Was hältst du von Taimanows Spiel?", fragte er Bobby. Dieser entgegnete boshaft: "Ich glaube, er spielt ganz gut Klavier!"

Ebenfalls zur Legende geworden ist die Zerstreutheit der Schachspieler

Bei der Olympiade in Nizza 1974 erhob sich Najdorf von seinem Brett, um eine Tasse Tee zu holen. Bei seiner Rückkehr setzte er sich versehentlich an einen falschen Tisch. Als er sich einem ihm unbekannten Spieler gegenübersah, meinte er in väterlichen Ton: "Ich glaube, Sie haben sich in Ihrem Platz geirrt!".

Zeitüberschreitung

Eine andere Geschichte von
Nigel Short reicht noch weiter in seine Kindheit zurück. Das neunjährige englische Wunderkind spielte eine seiner ersten Turnierpartien. Der Gegner hatte viel Zeit verbraucht und schließlich fiel an seiner Uhr das Kontrollblättchen. "Was bedeutet das?" fragte der Junge seinen Gegner und zeigte auf die Uhr. "Oh", antwortete der Mann, "das heißt nur, dass meine Zeit abgelaufen ist. Das hat aber nichts zu sagen, man spielt einfach weiter." Die Partie endete remis. Später erklärte Short's Vater dem Jungen den Sinn des Zeitkontrollblättchens und machte ihm klar, dass er die Partie schon gewonnen hatte, wenn er nur die Zeitüberschreitung reklamiert hätte. Short war tief erschüttert, wie schlecht Menschen sein können.

Das Opfer

Der in Baku geborene
Garri Kimowitsch Kasparow spielte bei der 46.
UdSSR-Meisterschaft in Tiflis eine Partie gegen Bagirow, welche im Remis endete, da der junge Kasparow sich im entscheidenden Moment nicht dazu entschließen konnte eine Figur zu opfern. Bei der anschließenden Analyse drehte sich alles um dieses Versäumnis. Der künftige Weltmeister versuchte sich zu verteidigen: "Ich habe den Springer nicht geopfert, weil ich einfach nicht alles bis zum Schluss durchrechnen konnte!" Da meinte der lettische in Riga geborene und achter Weltmeister (1960-1961) Michael Nechemjewitsch Tal trocken: "Gewöhn dir das mal an, Garri: Erst opfern, dann rechnen!"

Fußball und Schach

Felix Magath, der ehemalige Auswahlspieler der BRD-Fußballelf, ist ein großer Schachfan. Da er unter seinen Mannschaftskameraden keinen ebenbürtigen Gegner findet, schaffte er sich einen sprechenden Schachcomputer an, der ihn überallhin begleitete. Während der Fußballweltmeisterschaft 1982 in Spanien lenkte der Mittelfeldspieler an einem spielfreien Abend seine Schritte in einen Schachklub von Gijon, kehrte aber erst so spät nachts zurück, dass er den Pförtner nicht mehr wecken wollte und durch ein offenes Fenster des Hotels in sein Zimmer zu gelangen suchte. Die Sicherheitsposten, die im Garten verschanzt waren, eröffneten aber ohne viel Federlesen das Feuer auf den nächtlichen Eindringling. Dank seiner körperlichen Gewandtheit kam Magath noch mit einem Schrecken davon, aber seine Schachleidenschaft hätte ihm doch zum Verhängnis werden können.

Schachfans bevorzugt

Die Dresdner "Sächsische Zeitung" berichtete 1984, dass an einem Taxi in der Elbmetropole folgendes Schild zu lesen war: "Wenn Sie sich über Fußball unterhalten wollen, wenden Sie sich bitte an einen anderen Kollegen. Ich bevorzuge einen intelligenten Kunden, mit dem ich ausführlich über den Verlauf des Schachweltmeisterschaftskampfes
Karpow gegen Kasparow fachsimpeln kann."

Schach-WM 1993

Bei der Schach-WM 1993 kam es zwischen dem deutschen Dr. Robert Hübner und seinem Gegner zu folgendem Dialog:
Gegner: "Remis?"
Hübner: "Zu früh"
Ein paar Züge später:
Gegner: "Jetzt Remis?"
Hübner: "Zu spät!"

Im gleichen Turnier meinte eine etwas unbedarfte freie Mitarbeiterin einer Tageszeitung zu dem Großmeister Stefan Kindermann, dass sie ja nun auch mit dem Schachspielen beginnen könne, wenn die Preisgelder immer so üppig wie in Baden-Baden 1992 seien. Im Monopoly sei sie schließlich auch ganz gut. Kindermanns Entgegnung: "Wenn Sie im Schach gegen einen Großmeister antreten, ist das ungefähr so, als spielten Sie gegen Dagobert Duck Monopoly."

Ein Journalist beschrieb sein Gefühl so, das er hatte, als ihm der verstörte
Nigel Short nach dem 0,5:3,5-Rückstand die Hand zur Begrüßung reichte: "Es war, als hatte ich eine handvoll Spaghetti bekommen."

Auf die Frage, ob Short nach der zweiten Schnellpartie einen Fehler gemacht habe antwortete er: "Ja, ich machte einen - als ich mir heute die Haare schneiden ließ!"


Bedeutet Schachspiel Grausamkeit?

Mit einem seltsamen Fall hat sich das Scheidungsgericht von Little Rock, New York, zu befassen. Verklagt wurde von seiner Gattin ein gewisser Thomas S. Mulligan, da er einer seltsamen Leidenschaft nachgeht, die in den Augen seiner Gattin als Grausamkeit zu werten ist. Mr. Mulligan trinkt nicht, raucht nicht, spielt nicht Poker, geht nicht zu Pferderennen, hat auch keine Freundinnen, aber er spielt Schach!
Es ist nicht Schach mit landläufigem Sinn, sondern Mr. Mulligan hat es sich in den Kopf gesetzt, Schachprobleme zu ersinnen und diese an Schachklubs und sonstige Interessenten zu vergeben. Er verlangt übrigens keinen Cent dafür, dies scheint aber sein Hauptfehler zu sein, denn in der Klage heißt es wörtlich: "... seit mehr als zehn Jahren spielt mein Gatte allabendlich von acht Uhr bis mindestens ein morgens mit seinen lächerlichen Schachfiguren. Oft sitzt er ganz im Gedanken versunken vor dem magischen Brett und starrt auf die Figuren. Störe ich ihn, indem ich ihn bitte, er möchte mit mir ein Wort sprechen oder einmal mit mir ins Kino gehen, dann wird er sogleich grob, was er übrigens dadurch zu tarnen versucht, dass er mir vorwirft, ich hätte keine Ahnung davon, wie man seinen Geist beschäftigt. Das Ärgste aber ist, dass er die vielen Probleme im Laufe der Jahre ausgearbeitet hat, ohne einen Cent dafür zu verlangen, an fremde Leute verschenkt. Wenn er damit Geld verdienen würde, wäre seine Leidenschaft ja halb so schlimm, so aber fühle ich mich in doppelter Weise geschädigt. Ich bitte daher das hohe Gericht, Thomas S. Mulligan wegen seelischer Grausamkeit zu verurteilen..." Diese merkwürdige Logik der Mrs. Mulligan wird den Herren Scheidungsrichtern in Little Rock sicherlich noch arges Kopfzerbrechen bereiten; es bleibt daher abzuwarten, wie sie sich aus der Affäre ziehen werden.

Die Wahl

"Meine Frau hat gesagt, sie lässt sich scheiden, wenn ich nicht endgültig das Schachspielen aufgebe!"
"Das ist ja scheußlich!"
"Ja, freilich, ich werde meine Frau wirklich sehr vermissen!"

Im Vorübergehen

Zum wiederholten Mal fand ein Wettkampf zwischen der Mannschaft eines Schachvereins und der eines Irrenhauses mit Ärzten und Insassen statt, wobei nicht immer der Schachverein siegte!
Während des Spiels schlug ein Mitglied des Schachvereins einen Bauern seines Gegners "en passant".
Jener stutzte und fragte, was dies bedeuten solle.
Sein Kontrahent erklärte ihm, dass ein ganz regulärer Zug stattgefunden habe.
Doch er ließ sich davon nicht überzeugen und sagte: "En passant! En passant! Nee, nee! Es mag sein, dass wir alle hier verrückt sind, aber sooo verrückt sind wir nun doch nicht. Stellen Sie nun den Bauern wieder hin!".

Trick gemacht

Bei einem anstehenden Vereinswettkampf fehlte einer der beiden Mannschaften ein Spieler.
Folglich hatte der Kapitän dieser Mannschaft für einen Ersatzspieler zu sorgen. Zur Verfügung stand ausgerechnet einer der schlechtesten - als Angeber bekannter - Schachspieler.
Allerdings erschien es in jener Notsituation besser, diesen als gar keinen Spieler einzusetzen.
Nach ungefähr einer halben Stunden des Wettkampfes betrachtete der Kapitän die Schachstellungen seiner Vereinsmitglieder und bemerkte - keinesfalls überrascht - dass sein ausgewählter Spieler schon vollständig auf Verlust stand.
Im Geiste sah er diese Partie schon als verloren an.
Jedoch nach kurzer Zeit wurde ihm von seinem ausgewählten Spieler mitgeteilt, dass er die Partie gewonnen habe.
"Aber wie war denn das nur möglich? - Sie standen doch total auf Verlust!", rief der Mannschaftsführer.
"Ja, natürlich", antwortete der Spieler.
"Das habe ich auch gemerkt und so entschloss ich mich zu einem alten Trick. Ich zog meine Dame auf den Königsflügel, setzte sie mit Getöse auf und schrie Schach, starrte dabei auf seinen König und griff aber gleichzeitig seine ungedeckte Dame an. Mein Gegner zog, ohne zu überlegen, seinen König aus dem Schach und ich nahm die Dame."
"Und was hätten Sie gemacht, wenn Ihr Gegner die Dame getauscht hätte?", erkundigte sich der Kapitän.
"Aber das war ja gerade der Trick, meine Dame war nämlich auch ungedeckt!"

Beruf und Hobby

In einer Bank der US-amerikanischen Stadt Seattle wurde eines Morgens ein Einbrecher dingfest gemacht, der über dem Studium einer Zeitung eingeschlafen war. Wie sich ergab, war er bei Nacht und Nebel "eingestiegen", hatte eine Zeitung mit einer Schachspalte gefunden, begann die Aufgabe zu lösen und wurde schließlich vom Schlaf überwältigt. Ja, ich habe mir schon ein untaugliches Hobby ausgesucht", brachte der Einbrecher mit süßsaurer Miene hervor, nachdem er den Urteilsspruch vernommen hatte. "Ihr Hobby ist sauber-, erwiderte der Richter, "nur ihren Beruf' haben Sie nicht richtig gewählt!"

Unfair!

Nachdem eine Partie vertagt worden war, rief ein Spieler seinen Kontrahenten telefonisch an, um ihm zu "eröffnen", dass er die Partie aufgibt. Diesen Entschluss übermittelte er aber nicht der Turnierleitung, sondern erschien zum Termin der Wiederaufnahme der Partie und bestand auf Gewinn, da der Gegner "dank" dieser gerissenen Methode nicht zum Spiel angetreten war.

Schach-Musik

Der Komponist Max Reger saß im Gasthaus, wo eine Kapelle spielte, und rief den Ober: "Herr Ober, spielt die Kapelle auch Wünsche der Gäste?" "Gewiss, was soll die Kapelle für sie spielen?" "Am liebsten wäre mir, wenn die Kapelle Schach spielt, bis ich mit dem Essen fertig bin."

Fesselung

In einem Schachturnier in einem Kurort waren die Teilnehmer in einem Hotel mit recht dünnen Wänden untergebracht und der Meister suchte verzweifelt in seiner Hängepartie nach einer Gewinnversetzung, um sie am nächsten Morgen siegreich beenden zu können. Und plötzlich um Mitternacht, so mitten Halbschlaf kam ihm die Erleuchtung: "Ich hab's, ich muss die Dame fesseln. Ich muss die Dame fesseln". Erschreckt fuhr eine ältliche Lady im Nebenzimmer auf und lief erregt zum Portier: "Es soll ein schreckliches Verbrechen im Nebenzimmer geschehen. Kommen Sie sofort! Kommen Sie sofort!"

Kiebitze

Ein bekannter Meisterspieler geriet in seiner Turnierpartie in immer größere Bedrängnis und die Zuschauer ringsherum, die tuschelten und flüsterten. Und er wurde immer ärgerlich und schließlich wandte er sich erbost an einen der Kiebitze neben ihm: "Wer spielt den eigentlich die Partie? Sie oder ich?" Und der Kiebitz sagte nur: "Gott sei Dank: Sie!"

Blindschach

Zwei Schachspieler trafen sich eines Tages unvermutet in einem Krankenhaus als Bettnachbarn wieder und es war nur die Möglichkeit eine Blindschachpartie zu spielen. Und der eine sagte auf einmal: "Dame Berta schlägt Bauer Gustav!" Und die Lernschwester die dabeistand ganz erschreckt und meinte, der Patient sei in Fieberfantasien, "Ach, der Bauer Gustav wird sich das schon nicht gefallen lassen."

Matt in zwei Zügen

In einer Turnierpartie machte ein Spieler einen sehr stark aussehenden Angriffszug. Sein Gegner studierte lange die Stellung und meinte dann: "Scheint bald matt zu sein."
"Jawohl", bekam er zur Antwort, "in zwei Zügen matt."
"Warum haben Sie es denn nicht angesagt?"
"Weil ich es nicht gesehen habe."

Der arme, aber kreative Vorsitzende, oder: Es fehlt im Schachverein einfach der Humor

Jubiläum im Verein, aber kein Geld. Also musste mal wieder eine Tombola herhalten damit man wenigstens ein paar Mark für den nach Turnierbesuch, für die Jugendarbeit, usw. hereinbekommt.
Die Bestückung der Tombola übernahm der 1. Vorsitzende persönlich und alle waren über die angekündigten Preise erstaunt.
Erster Preis: Eine kombinierte Schiffs-Bahn-Bus- und Wanderreise von einer Woche. Zweiter Preis: Eine der beliebten Butterfahrten.
Dritter Preis: Eine Schlossbesichtigung von hohem kulturellen Wert.
So wurden bei der Jubiläumsrede des Vorsitzenden die Preise und der Kauf der Lose schmackhaft gemacht.
Es wurde ein gelungener Abend und da alle Mitglieder um die Ebbe in der Kasse wussten, geizte keiner mit dem Kauf der Lose, von denen jedes eine Mark kostete. Der Gewinner des ersten Preises bekam ein Kuvert überreicht, auf dem folgendes stand:
Wandern Sie bitte bis zur nächsten Bushaltestelle, fahren Sie bitte mit dem Zug eine Station bis zum nächsten Rheinhafen, besteigen Sie dort die Fähre, setzen über den Rhein um kommen mit dem nächsten Bus wieder ins Spiellokal.
Alles zusammen dauerte vielleicht eine Stunde. Dabei lag ein Fünfmarkschein fürs Fahrgeld.
Der zweite Preis bestand darin, dass sich beim Sohn des Gastwirtes Dreirad geliehen wurde. Der Preisträger bekam ein Tellerchen mit Butter in die Hand gedrückt und durfte drei Runden im Saal fahren.
Der dritte Preis war der Höhepunkt: Man überreichte dem Gewinner ein hochwertiges Vorhängeschloss aus edelstem Metall und kunstvoller Verarbeitung, welches er bis zum nächsten Spielabend zur Besichtigung mit nach Hause nehmen durfte. Dem Gewinner des ersten Preises wurde noch gesagt, dass er seinen Gewinn in einer Woche durchführen könne.
Der Saal tobte vor Lachen, nur die Frau eines der Mitglieder sagte etwas von Unverschämtheit, die war aber nicht aus dem Rheinland, so zwischen Düsseldorf und Köln, wo Lachen und Frohsinn noch vor Schach kommt.

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